„Die Region bietet das Potenzial, Industrie 4.0 zu nutzen und innovative Lösungen zu entwickeln“

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Ines Banhardt, Baden-Württemberg International

Baden-Württemberg ist dieses Jahr Partnerland der deutsch-chilenischen Wirtschaftstage. Die Wirtschaft in diesem Bundesland ist tranditionsgemäß durch den Maschinen- und Automobilbau geprägt. Die AHK Chile sprach im Vorfeld mit Ines Banhardt, Leiterin des Länderbereichs Lateinamerika bei Baden-Württemberg International über die Herausforderungen auf dem Weg zur Industrie 4.0 und die Rolle Chiles für die Wirtschaft in dem Bundesland.

Vor welchen Herausforderungen steht Ihr Bundesland hinsichtlich Industrie 4.0?

Baden-Württemberg als führender Wirtschaftsstandort in Deutschland und Europa steht vor der Herausforderung, diese Spitzenposition auch in der digitalen Welt zu erhalten. Die Wirtschaft im Südwesten zeichnet sich traditionsgemäß durch eine starke Industrie aus, insbesondere im Maschinen- und Automobilbau sowie im Bereich Informations- und Kommunikationssysteme, – und bietet damit beste Voraussetzungen, die Potenziale von Industrie 4.0 zu nutzen und innovative Lösungen zu entwickeln. Deshalb hat das Land auch eine Vorreiterrolle übernommen und bereits 2015 als erste Region in Europa die Initiative „Allianz Industrie 4.0“ gegründet, die die Kompetenzen der verschiedenen Branchen bündelt und die Akteure vernetzt.

Was tut das Bundesland, um die heimische Wirtschaft beim Technologiewandel zu unterstützen?

Baden-Württemberg hat im vergangenen Jahr die Digitalisierungsstrategie „digital@bw“ ins Leben gerufen. Bis 2021 investiert die Landesregierung über eine Milliarde Euro in Digitalisierungsprojekte. Als Vorzeigemodell gibt das „Cyber Valley“ mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft; hier arbeiten die Universitäten Stuttgart und Tübingen, die Max Planck-Gesellschaft sowie Unternehmen wie Daimler, Bosch, Amazon und Facebook am Zukunftsthema „Künstliche Intelligenz“. Zudem hat der Südwesten mit der „Allianz Wirtschaft 4.0“ eine Plattform geschaffen, die etablierte Unternehmen sowie Start-ups, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Kapitalgeber miteinander vernetzt und das Potenzial der Digitalisierung dazu nutzt, um die ökologische Modernisierung der Wirtschaft voranzutreiben.

Welche Rolle spielt Chile für die Wirtschaft in Baden-Württemberg?

Chile und Baden-Württemberg pflegen traditionell gute Handelsbeziehungen. Im vergangenen Jahr exportierten hiesige Unternehmen Waren im Wert von knapp 300 Millionen Euro in den Andenstaat, die Importe aus Chile lagen bei rund 180 Millionen Euro. Die Investoren aus dem deutschen Südwesten schätzen aufgrund der sehr guten und stabilen Rahmenbedingungen Chile als Musterland der Region. Ob Global Player wie Bosch und SAP oder Mittelständler wie Festo, Häfele und Herrenknecht – zahlreiche Firmen sind mit Niederlassungen in Chile engagiert und nutzen es als Einstiegsmarkt in die Region.

Was sind die Erfolgsfaktoren, die Baden-Württemberg zu einem industrie- und exportintensiven Spitzenstandort mit hoher Innovationskraft machen?

Ideenreichtum, Neugier und Forschergeist haben in Baden-Württemberg Tradition. Innerhalb der Europäischen Union ist der Südwesten mit großem Abstand die Region mit der höchsten Innovationsfähigkeit: So werden hier jährlich rund fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Forschung und Entwicklung investiert; in Deutschland sind es knapp drei Prozent. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist der breit aufgestellte Mittelstand, der das Rückgrat der baden-württembergischen Wirtschaft bildet. Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele technologisch führende Hidden Champions wie hier, deren Produkte und Dienstleistungen rund um den Globus einen ausgezeichneten Ruf genießen. Ein großes Plus am Standort sind zudem das herausragende Netz an rund 70 Hochschulen und über 100 außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie die zahlreichen Cluster und Branchennetzwerke, die Synergien bündeln und den Wissenstransfer unterstützen.